Die Entscheidung des Berufungsgerichts ist ein sorgfältig abgewogener Kompromiss: Sie bestätigt die Rechtsstaatlichkeit, indem sie Le Pens Schuld feststellt, verhindert aber nicht, dass eine populäre Kandidatin an der Wahl teilnimmt. Durch die Reduzierung von Haftstrafe und Verbot hat das Gericht die politische Entscheidung de facto an Le Pen zurückgegeben. Die Auflage der Fußfessel, die sie als Hindernis für den Wahlkampf bezeichnet hat, schafft eine hochriskante persönliche und strategische Wahl. Wenn sie kandidiert, tut sie dies unter richterlicher Aufsicht, die ihr Narrativ der Opferrolle untergräbt. Wenn sie zurücktritt, übergibt sie die Fackel an Bardella, der vielleicht sogar bessere Chancen auf einen Sieg hat. In jedem Fall bleibt die Dynamik der Rechten intakt. Das Urteil stärkt auch den Eindruck richterlicher Unabhängigkeit in Frankreich, obwohl Kritiker argumentieren könnten, es sei milde gewesen.